Elektroinstallationen werden aufgrund der Optik in der Regel in Häusern und Wohnräumen unter Putz verlegt. Gerade bei älteren Häusern und Altbauten kann es aber nötig werden, dass Sie die Elektroinstallationen ausbauen oder sanieren müssen, um sie den neuesten Standards und Anforderungen anzupassen. Meistens kommt man dann nicht daran vorbei, Wandschlitze zu fräsen oder stemmen zu müssen. Dabei handelt es sich um eine der wenigen Tätigkeiten, die Sie bei der Elektroinstallation im Haus selbst vornehmen dürfen. Allerdings gibt es dabei trotzdem einige Dinge zu beachten, denn einfach den Bohrhammer oder die Wandfräse anzusetzen und darauf loszuschlitzen, funktioniert so nicht. Auch hier gelten Vorschriften für die Lage und Tiefe von Wandschlitzen. Außerdem spielen  Faktoren, wie zum Beispiel Brandschutz, Schallschutz und die Standsicherheit der Wand, eine tragende Rolle. In unserem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie Wandschlitze für die Elektroinstallation richtig planen und anlegen, um für eine saubere und professionelle Verlegung von Kabeln und Leitungen unter Putz zu sorgen.

Inhaltsverzeichnis

Möglichkeiten, wie Wandschlitze erstellt werden können

Beim Erstellen von Wandschlitzen haben Sie verschiedene Möglichkeiten. Zum einen können die Arbeiten mit Hammer und Meißel durchgeführt werden. Diese Tätigkeit ist allerdings je nach Länge der Wandschlitze sehr mühsam, verursacht viel Dreck und bringt die Gefahr mit sich, dass Sie mehr Mauerwerk entfernen als notwendig und zulässig. Bei der Option mit einem Winkelschleifer und entsprechender Stein- oder Diamantscheibe werden zwei Schlitze in die Wand gefräst und der mittlere Steg im Anschluss mit Hammer und Meißel entfernt. Diese Vorgehensweise ist zwar einfacher als die Arbeit mit Hammer und Meißel, verursacht aber ebenfalls sehr viel Staub und Dreck. Die dritte und einfachste Möglichkeit, Wandschlitze zu erstellen, ist die Nutzung einer Mauernutfräse. Diese können Sie in der Regel auf die gewünschte Tiefe des Schlitzes einstellen. Da die meisten Mauernutfräsen außerdem mit einer Absaugvorrichtung für einen Industriesauger ausgerüstet sind, können Sie damit weitestgehend staubfrei und sauber arbeiten. Mauernutfräsen können Sie ab 40 Euro pro Tag im Baumarkt ausleihen.

Planung der Elektroinstallationen

Bevor Sie mit der Verlegung von Wandschlitzen beginnen, ist es wichtig, dass Sie die Elektroinstallation sorgfältig planen und dabei mehrere Punkte berücksichtigen. So müssen Sie zu Beginn die genauen Positionen für Steckdosen, Lichtschalter und andere elektrische Anschlüsse in den zu installierenden Räumen bestimmen. Planen Sie außerdem die Wege, entlang derer die Elektroleitungen verlegt werden sollen, und berücksichtigen Sie dabei die Lage der vorhandenen Stromversorgung und anderer baulicher Gegebenheiten.

Wo Wandschlitze ausgespart werden müssen

Auch wenn Ihnen verschiedene Optionen bei der Herstellung von Wandschlitzen zur Verfügung stehen, können Sie nicht einfach Meißel oder Mauerfräse ansetzen und darauf los schlitzen, denn bei allen elektrischen Installationen in Gebäuden sind die vorgeschriebenen Installationszonen zu beachten. Diese gelten auch für die Anordnung und Lage der elektrischen Leitungen in Wänden unter Putz. Dadurch soll verhindert werden, dass Elektroleitungen später unbeabsichtigt angebohrt oder durch sonstige Arbeiten im Mauerwerk beschädigt werden. Wandschlitze dürfen aus diesem Grund stets nur senkrecht oder waagerecht gestemmt oder gefräst werden. Merken sollten Sie sich, dass waagerechte Schlitze 15 oder 30 cm über dem Fußboden und 30 cm unterhalb der Decke auszusparen sind. Senkrechte Schlitze müssen in einem Abstand von 10 cm von Ecken, Fenster- oder Türöffnungen ausgespart werden. Außerdem werden die Installationszonen der Küche oder auch die des Hobby- oder Arbeitsraumes durch eine zusätzliche mittlere Installationszone ergänzt, welche für Schalter und Steckdosen über Arbeitsflächen gilt. Die waagerechten Schlitze müssen Sie hier zwischen 100 cm und 130 cm über dem Fußboden aussparen.

Wie tief dürfen die Wandschlitze werden?

Die tragenden Wände eines Hauses garantieren die Standsicherheit eines Gebäudes. Aus diesem Grund müssen bei der Tiefe von Wandschlitzen Grenzwerte eingehalten werden, die in der DIN EN 1996-1-1/NA angegeben werden. Bei Überschreiten dieser Grenzwerte ist in jedem Einzelfall ein statischer Nachweis nach DIN EN 1996-1-1 erforderlich. Aber auch bei nicht tragenden Innenwänden gibt die Empfehlung, diese Norm ebenfalls zu berücksichtigen, da die Standfestigkeit der Wand immer gewährleistet werden muss. Aus Gründen der Standfestigkeit sollten Sie daher das horizontale Schlitzen bei nicht tragenden Innenwänden vor allem in der mittleren Installationszone so weit wie möglich vermeiden. 

Die maximale Schlitztiefe ist abhängig von der Wanddicke und darf um 10 mm erhöht werden, wenn Werkzeuge verwendet werden, mit denen die Tiefe genau eingehalten werden kann. Da vertikale Schlitze bei im Verbund gemauerten Wänden keine wesentlichen Auswirkungen auf die Standsicherheit haben, ergeben sich hier andere Werte. Jedoch muss bei vertikalen Wandschlitzen neben der Schlitztiefe auch die Schlitzbreite berücksichtigt werden.

Worauf bei der Aussparung von Wandschlitzen noch geachtet werden muss

Bei der Aussparung von Wandschlitzen müssen Sie auch immer daran denken, dass die Schlitze Einfluss auf den Schallschutz, Brandschutz und Wärmeschutz haben. Wenn Sie an einer Stelle die Wanddicke und damit die Masse des Mauerwerks reduzieren, weist sie an diesen lokalen Stellen eine verringerte Schalldämmung auf. Deshalb sollten Sie darauf achten, dass es zwischen fremden Wohnbereichen zu keiner Schallübertragung kommt. Im Hinblick auf den Brandschutz müssen tragende und nichttragende Innenwände in Massivbauweise hohe Anforderungen erfüllen. Ordnungsgemäß ausgeführte Wandschlitze reduzieren die in der DIN EN 1996-1-2 angegebenen Feuerwiderstandsdauern in tragenden Wänden nicht. Vertikale Wandschlitze in nichttragenden Wänden sollen hingegen bestimmte Wanddicken nicht unterschreiten. In Bezug auf den Wärmeschutz darf auch dieser nicht durch Wandschlitze beeinträchtigt werden.

Verlegung der Elektroleitungen

Nachdem die Wandschlitze angelegt wurden, kann mit der Verlegung der Elektroleitungen begonnen werden. Hierfür sollten Sie allerdings einen Elektriker zurate ziehen, da dieser sich mit den Vorschriften auskennt und eine korrekte elektrische Anlage erstellen kann. Im Hinblick auf die Sicherheit der Elektroinstallation können Sie darauf vertrauen, dass die Arbeiten präzise und professionell ausgeführt werden und im Anschluss keine Probleme nach sich ziehen.

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